Konzert N°4 | Pförtnerhaus Feldkirch
#Leichtigkeit
Wo Tiefe licht wird
Pforte um 7 | Konzert leger: Do 18. Juni, 19 Uhr
Pforte um 8 | Konzert & Buffet: Fr 19. Juni, 20 Uhr
Impuls um halb | Do 18.30 Uhr & Fr 19.30 Uhr im Erdgeschoss des Pförtnerhauses
Katya Apekisheva hat in Russland eine unglaublich harte Schule der Musikausbildung genossen, in der es weder Lob gab noch Freude am Spielen erlaubt war. Wie hat sie mit dieser so prägenden Geschichte in ihre Leichtigkeit und Freude gefunden?
Programm
Louise Héritte-Viardot (1841–1918)
Klavierquartett «Im Sommer» A-Dur op. 9
Franz Schubert (1797–1828)
Drei Klavierstücke D 946
Johannes Brahms (1833–1897)
Quartett g-Moll für Violine, Viola, Violoncello und Klavier, op. 25
Ausführende
Raul Campos Violine
Klaus Christa Viola
Paolo Tedesco Violoncello
Katya Apekisheva Klavier & Impuls um halb
Hab keine Angst vor der Dunkelheit in deinem Herzen
Sind Sie damit zufrieden, was Sie bereits übers Leben wissen? Oder leiden Sie wie wir manchmal an all dem Ungewissen, Unverständlichen und Ungerechten, das uns das Leben immer wieder zumutet?
Don’t be afraid of the dark in your heart singt der englische Songwriter und Komponist Jacob Collier in seinem Lied Little Blue: Hab keine Angst vor der Dunkelheit in deinem Herzen. Eine schöne Aufforderung, aber gebärdet sich dieser Satz nicht wie ein besserwisserischer Tröstungsversuch? Jacob Collier geht in seinem Refrain sogar noch weiter: You’ll find a way to carry the weight of the world on your shoulders – Du wirst einen Weg finden, das Gewicht der Welt auf deinen Schultern zu tragen. Eine Prophezeiung, die vielleicht noch mehr schmerzt, wenn wir uns in einer ordentlichen Krise befinden.
Und damit immer noch nicht genug: Am Schluss des Refrains lässt er sich dazu hinreißen, zu singen: You’ll find your way home – Du wirst deinen Weg nach Hause finden. Vielleicht erinnern
wir uns alle an einen Moment des Schmerzes, in dem solche an uns gerichteten Worte nicht Trost gespendet, sondern uns vielmehr wütend gemacht hätten. Im Falle von Jacob Collier ist es ganz
einfach, warum uns seine Worte im Herzen treffen: Er singt sie. Diese Worte werden, wenn wir sie von Jacob Collier innig gesungen hören, zu einer Wirklichkeit des Herzens, unseres Herzens.
Oder nehmen wir das Brahms Klavierquartett op. 25 in g-Moll: Was für ein ängstliches Tasten zu Beginn, was für ein Schmerz, welche Verzweiflung! Es sind Stimmen, die sich hier im Schmerz vereinen und unser Inneres heftigst aufwühlen. Aber die entscheidende Erkenntnis ist: Ängstlich tastende Musik macht uns nicht ängstlich. Traurige Musik macht nicht traurig, genauso wie verzweifelte Musik nicht verzweifelt macht. Im Gegenteil: Unsere Ängstlichkeit, Traurigkeit, Wut und alle anderen Gefühle werden von den Klängen der Musik davongetragen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Musik aus der Feder von Johannes Brahms oder Jacob Collier stammt.
Ist es nicht befreiend, dass wir all das Dunkle und Schwere durch die Musik noch einmal leben können,
ohne darin zu versinken? All diese Gefühle sind in den Klängen für einen Moment aufgehoben und schweben an einen Ort, von dem wir nicht genau wissen, wo er sich befindet. Wir erleben einen Moment
der Leichtigkeit, wenn unsere dunklen Gefühle in der Musik Heimat finden.
Klaus Christa