Konzert N°5  |  Pförtnerhaus Feldkirch


#Frieden

Wo die Ewigkeit beginnt

 

Pforte um 7  |  Konzert leger: Do 17. September, 19 Uhr

Pforte um 8  |  Konzert & Buffet: Fr 18. September, 20 Uhr

 

Impuls um halb  |  Do 18.30 Uhr & Fr 19.30 Uhr im Erdgeschoss des Pförtnerhauses

Die Bregenzer Schauspielerin Anna Huberta Präg entdeckte bereits in jungen Jahren ihre Leidenschaft fürs Theaterspielen. Durch welche Höhen und Tiefen führte sie ihr Weg als Schauspielerin, bis sie Ensemblemitglied an einem Theater wurde? Was fasziniert sie als junge Frau an der Biografie von Ethel Smyth?

 

 

 

Programm


Ethel Smyth (1858–1944)
Streichquintett E-Dur op. 1

& Schauspielerische Intervention

 

Franz Schubert (1797–1828)
Quintett C-Dur für zwei Violinen, Viola und zwei Violoncelli, 


Ausführende


Berit Cardas Violine
Verena Sommer Violine
Klaus Christa Viola
François Poly Violoncello
Bjørg Lewis Violoncello
&
Anna Huberta Präg Schauspielerische Intervention & Impuls um halb

Nachhause kommen

 

Es begann mit dem Knistern einer Plattenspieler-Nadel in einem Altbau des 4. Wiener Gemeindebezirks: Musik, die sich ins Herz einbrannte und eine unauslöschliche Erinnerung schuf.

 

Als Musikgymnasiast durfte ich in den Semesterferien mit meinem besten Freund nach Wien fahren. Wir besuchten einen seiner beiden dort studierenden Brüder, der in einem erhabenen Wiener Stilaltbau auf der Wieden in der Schleifmühlgasse wohnte. Er weilte gerade in Südamerika und hatte uns seine Wohnung überlassen. In seinem Zimmer stand eine Schallplatte mit dem Streichquintett von Franz Schubert, gespielt vom LaSalle-Quartett mit Lynn Harrell am zweiten Cello. Ich sehe das Plattencover noch vor mir: Fünf Männer mittleren Alters im schwarzen Smoking und schwarzen Fliegen, drei davon mit den dazu passenden dickrandigen schwarzen Hornbrillen und alle mit einer Hand am Geländer. Wenn ich mich jetzt an dieses Cover zurückerinnere, wie künstlich und steif kommt jetzt die Ästhetik der 70-er Jahre vor. Und wie ehrfürchtig holte ich damals die Platte aus ihrer Hülle, diese große, schwarze Scheibe mit den unzähligen Rillen. Mich entzückt die Vorstellung, dass in den Rillen dieser  schwarzen Scheibe Klänge eingraviert sind, die mit einer Nadel in Schall zurückverwandelt werden können. Was wohnt denn ganz genau in diesen Rillen, die Musik festhalten können? Wie ist es möglich, die in den Rillen festgehaltenen Informationen durch moderne Technik in akustische Signale zurückzuverwandeln, die dann über den Lautsprecher unser Trommelfell erreichen und dort Klänge erzeugen, die zumindest ähnlich wie echtes Musizieren klingen?

 

Ich habe das Bild noch vor mir, als wäre es gestern gewesen: Ich sehe mich den Kopfhörer aufsetzen, sehe mich die Platte auflegen, sehe, wie ich den Tonarm des Plattenspielers, der auf dem Kästchen neben der Matratze stand, vorsichtig senke. Dann folgte für wenige Sekunden dieses geheimnisvolle Knistern der Nadel, bis ein C-Dur-Akkord erklang, dieser unschuldige, selbstvergessene C-Dur Akkord, der aus dem Nichts anschwoll und sich dann jäh in einen Moll-Akkord verwandelte. Diese Verwandlung schrieb sich schon nach wenigen Sekunden tief in mein Herz ein. Allein diese acht Sekunden Musik waren schon eine völlige Erschütterung für mich. Und wie sich die erste Geige dann zu einer ersten sprechenden Melodie aufschwang! Dasselbe hörte ich noch einmal vom Cello, nur dunkler und wärmer. Anschließend entfaltete sich etwas Großes und Dramatisches, das nach Leben und Tod klang. Die beiden Celli vereinten sich zu einer dunklen Unisonomelodie, über der sich die beiden Geigen und die Bratsche aufgeregt, sich gegenseitig fiebrig überholend in einen Abgrund stürzten. Ich lag wie gebannt in diesem kalten, fast vier Meter hohen Zimmer einer Altbauwohnung in der Schleifmühlgasse auf der Wieden. Auch 40 Jahre später lässt mich diese Erinnerung noch frieren. Nach vielleicht eineinhalb Minuten beendeten zwei mächtige Akkorde dieses verzweifelte Treiben. Die beiden Celli fanden sich in einem Gleichklang wieder und während sie immer leiser wurden, stieg die Spannung: Was würde wohl nun geschehen? Der Ton teilte sich, eine zweite Stimme löste sich zögernd aus diesem Ton und dann strömte sie, diese Melodie aller Melodien. In alpenländischer Zweistimmigkeit sangen die beiden Celli eine schlichte, herzzerreißende Melodie. Jawohl: schlicht und herzzerreißend. Gänsehaut. Ich war 15 und fühlte mich plötzlich so geborgen in dieser Welt wie nie zuvor. Seit dieser Nacht weiß ich: Diese Welt ist ein Zuhause
und es gibt eine Musik, die mich so beschützen kann wie nichts anderes in meinem Leben.

 

Klaus Christa