Willkommen in der Pforte
Es pocht eine Sehnsucht an die Welt
Else Lasker-Schüler (1869–1945)
Es ist ein Weinen in der Welt, als ob der liebe Gott gestorben wär. So beginnt das Gedicht von Else Lasker-Schüler, dem wir das Jahresmotto Es pocht eine Sehnsucht an
die Welt entnommen haben: Wenn wir uns in der Welt umschauen, so sind die Gründe für das Weinen vielfältig und wir haben manchmal wirklich den Eindruck, als ob der liebe Gott
gestorben wär. Die Fragilität unserer
Demokratie ist so spürbar wie noch nie und nicht nur das: Sie ist ernsthaftin Gefahr.
Bei Rilke finden wir eine Definition der Sehnsucht, in der die Lebensnotwendigkeit des Sehnens wunderbar zum Ausdruck kommt. Er beschreibt die Wünsche, die unseren Sehnsüchten entspringen, als
leise Dialoge täglicher Stunden mit der Ewigkeit. Wir müssen hinhören, weil es leise Dialoge sind, die uns mit dem Wesen unseres Menschseins verbinden, aber wenn der Dialog mit der Ewigkeit
gelingt, dann führt er uns dorthin, wo wir ganz Mensch sein können.
In unseren Konzerten wollen wir diese Stimmen hörbar machen und uns auf jene Sehnsüchte einlassen, die mit großer Dringlichkeit an die Welt pochen. In einer zunehmend globalisierten Welt, in der
das Konzept des «Nationalstaates» an seine Grenzen stößt, wird die Frage der Zugehörigkeit zu einem existenziellen Thema. Ebenso wesentlich ist die Sehnsucht nach Zartheit – das zutiefst
menschliche Bedürfnis, in unserer Verletzlichkeit gesehen und angenommen zu werden, nicht nur in unserer Stärke. Da ist die Sehnsucht nach Begegnung, in der ein Ich und ein Du sich wirklich sehen
und hören, die Hoffnung auf Leichtigkeit
in einer Welt, in der das Schwere Überhand zu nehmen droht, und nicht zu vergessen, unsere tiefe Sehnsucht nach Frieden. Das letzte Konzert widmen wir dem Thema Erlösung, bei der es nicht darum
gehen wird, dass am Ende alles gut wird, sondern um eine Wandlung, die uns aus der Ohnmacht befreit und uns dadurch ins Handeln bringt. Letztlich vereinen sich all diese Sehnsüchte in der Liebe
und wir folgen William Shakespeares Ruf:
Wenn Musik die Nahrung der Liebe ist, so spielt weiter!
Wir freuen uns sehr darauf, in unseren Konzerten 2026 mit Ihnen diese leisen Dialoge zu führen und damit Ihren Sehnsüchten musikalisch zu begegnen!
Klaus Christa
Künstlerischer Leiter der Pforte