Konzert N°1  |  Festsaal der Stella Musikhochschule Feldkirch


#Zugehörigkeit

Wo die Seele Wurzeln schlägt

 

 

Pforte um 7  |  Konzert leger: Do 5. Februar, 19 Uhr
Im Anschluss #AfroHouse Late Night Party (Eintritt frei, Beginn: 21 Uhr)

 

Pforte um 8  |  Konzert & Buffet: Fr 6. Februar, 20 Uhr

 

Impuls um halb  |  Do 18.30 Uhr & Fr 19.30 Uhr im Erdgeschoss des Pförtnerhauses

Ali Delangiz, Mitglied des Pforte Kammerorchester Plus, hat bis zu seinem 18. Lebensjahr auf seiner Geige nur persische Musik gespielt. Dann brach er auf, die Welt der klassischen Musik zu erkunden. Als seelisch und geistig tief verwurzelter Mensch in der Geschichte und den Traditionen der persischen Hochkultur, spricht er über seine persönlichen Erfahrungen zum Thema
Zugehörigkeit.

 

 

 

Programm


Vilma von Webenau (1875–1953)
Symphonie für Streichorchester


Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791)
Konzert A-Dur für Klarinette und Orchester, KV 622

A Tribute to Miriam Makeba (1932–2008)
Songs von Miriam Makeba & Weggefährt:innen,
arr. für Gesang & Orchester von Ursula Reicher, Laura Winkler & Raphaela Fröwis


Ausführende


Matthias Schorn Klarinette

Kamohelo Moshoaliba, Chris Njapha & Martin Lindenthal Gesang

Raul Campos Konzertmeister
Pforte Kammerorchester Plus: Musiker*innen der Iberacademy | Medellin, Kolumbien, der Bochabela Strings | Bloemfontein, Südafrika und der Stella Musikhochschule Feldkirch und anderer europäischer Hochschulen

&

Ali Delangiz Impuls um halb

Mut, Hoffnung und aufrichtige Liebe

 

Was bedeutet es, irgendwo wirklich dazuzugehören? Für manche ist Zugehörigkeit eine Selbstverständlichkeit, für andere wird sie zum Lebensprojekt. Die beiden Komponistinnen Vilma von Webenau und Miriam Makeba waren zwei außergewöhnliche Frauen, die zeigten, was es bedeutet, sich trotz Widrigkeiten eine Heimat zu schaffen.

 

Von der Geburt bis ins frühe Jugendalter ist Zugehörigkeit entscheidend für unser Überleben. Ohne Eltern oder andere Menschen, die uns sowohl seelisch als auch physisch intensiv versorgen, sind wir ganz einfach verloren. Im Jugendalter beginnen wir, unsere bisherigen Zugehörigkeiten zu hinterfragen und in uns erwacht das Bedürfnis, sie selbst zu gestalten: Wir sind unserer Meinung nach ganz sicher keine Kinder mehr und vielleicht zum ersten Mal bereit, die Zugehörigkeitsidentität zu wechseln: Die sogenannte Peergroup, der wir angehören wollen, die Vereine, in denen wir uns aktiv betätigen oder einfach der Freundeskreis werden zu den Zentren unserer Zugehörigkeitsbemühungen. Für viele Menschen in unserer Welt stellt sich diese Frage gar nicht, weil sie ihre Zugehörigkeit – aus unterschiedlichsten Gründen – nicht leben können. So erging es Vilma von Webenau und Miriam Makeba, denen Zugehörigkeit dort verwehrt blieb, wo sie sich selbst zutiefst verwurzelt sahen. Die erste Schönberg-Schülerin Vilma von Webenau konnte unter den damaligen gesellschaftlichen Umständen als Komponistin kaum Boden gewinnen und Miriam Makeba entwickelte sich zu einem charismatischen Aushängeschild Südafrikas und verlor durch ihr mutiges Engagement gegen die
Apartheidpolitik ihre Staatsbürgerschaft und damit ein Stück ihrer seelischen Heimat. Vilma von Webenau wurde von Schönberg und seinem engsten Schülerkreis durchaus als vollwertige Komponistin anerkannt und geschätzt. Aber das genügte nicht, um ihr das Isolationsgefühl als Frau in diesem Männer-Haifischbecken zu nehmen, zu lose waren die Verbindungen, zu wenig hartnäckig die Ermutigung naher Stimmen um sie. Auch ihre homoerotische Verbindung zur Komponistin Mathilde Kralik konnte sich nur im Geheimen abspielen. Zugehörigkeit fand sie in einem Verein, mit dem sie viele Solidaritätsthemen verband: dem Club der Wiener Musikerinnen, der heute noch existiert. Er hatte damals unter anderem zum Ziel, Musikerinnen bei Bedarf finanziell und damit auch sozial abzusichern. Aber auch die Veranstaltung von Konzerten und Vorträgen, die den Frauen in der Musik Sichtbarkeit und Hörbarkeit verschaffen, war und ist eine wesentliche Aufgabe dieses Vereins.

 

Miriam Makebas Schicksal ist eine einzige Zugehörigkeitsrallye: Weil sie diese tiefe Solidarität zu ihrer ethnischen Zugehörigkeit mutig lebte – ihre Rede vor den Vereinten Nationen, bei der sie die menschenverachtende Politik der Apartheidregierung Südafrikas benannte und kritisierte, ist heute noch ein Meilenstein an Zivilcourage und persönlicher Aufopferung – war sie doch durch die darauffolgende Aberkennung der Staatsbürgerschaft bis zum Ende der Apartheidregierung von ihrer geliebten Heimat abgeschnitten. Sogar ihre Aufnahmen waren in Südafrika verboten, obwohl sie über Jahre das berühmteste musikalische Gesicht
Südafrikas war, vielleicht sogar ganz Afrikas. Durch ihre Ehe mit dem schwarzen Bürgerrechtler Stokely Carmichael wurde sie auch in den USA zu einer Persona non grata, weshalb sie in Guinea eine neue Heimat suchte.

 

Miriam Makeba, die ihr Leben lang in ihrer Muttersprache Xhosa sang, brachte in ihrer Autobiografie auf den Punkt, wo sie sich zugehörig fühlte: «Ja, ich habe niemals aufgehört, Afrikanerin zu sein. Das Leben in Afrika ist nicht leicht. Die politischen Verhältnisse, die Armut und schreckliche Krankheiten, von denen die Menschen heimgesucht werden, belasten die Seele.
Man braucht Mut, Hoffnung und aufrichtige Liebe für das Land und die Menschen, um hier leben zu können. Ich verfüge über diese Eigenschaften, und deshalb wird Afrika auch immer meine Heimat bleiben.»

 

Makeba hat wunderbar zusammengefasst, was wir selbst einbringen können, wenn wir uns irgendwo zugehörig fühlen wollen: Mut, Hoffnung und aufrichtige Liebe.

 

Klaus Christa