Silvia Thurner · 06. Feb 2026 · Musik
Ein Fest zu Ehren von Miriam Makeba und Mozart
Das Pforte Kammerorchester Plus setzte ein mitreißendes Zeichen für die Gemeinschaft
Mit einem reichhaltigen Konzertprogramm eröffnete die Abonnementreihe „Musik in der Pforte“ die neue Saison. Angekündigt war das Pforte Kammerorchester Plus mit Musiker:innen der Bochabela
Strings sowie der Iberacademy und Studierenden der Stella
Musikhochschule. Matthias Schorn stand mit Mozarts Klarinettenkonzert im Mittelpunkt. Überdies ehrte das Konzert die Sängerin und Aktivistin Miriam Makeba, die mit ihrem künstlerischen Schaffen
ihr Leben lang gegen die Apartheid angekämpft hat. Kamohelo Moshoaliba, Sicelo Christopher Njapha und Martin Lindenthal sangen die berührenden Songs, unterstützt von Zuko Samela an der
Percussion. Die speziell für diesen Anlass arrangierten Werke wurden durch den Esprit aller Orchestermitglieder und die originellen Klarinettensoli von Matthias Schorn bereichert. Am Ende des
mitreißenden Konzertes hielt es die Zuhörenden kaum auf ihren Sitzen. Mit Standing Ovations dankten sie für das musikalische Fest im Zeichen der Solidarität und der Sehnsucht nach Zugehörigkeit.
Weiter gefeiert wurde schließlich mit einer Afro-House-Late-Night-Party.
Musikalisch lässt sich die Vielseitigkeit des Konzertabends kaum fassen. Unter dem Leitgedanken der aktuellen Pforte-Saison war das Konzert ein herzergreifender Austausch zwischen Musiker:innen
unterschiedlichster Herkunft. Mit voller Begeisterung und höchstem Können widmeten sie sich musikalisch unterschiedlichen Welten und boten den Zuhörenden eine tiefgehende Unterhaltung. Nach der
Symphonie für Streichorchester von Vilma von Webenau, die mit Bedacht auf die
Klanglichkeit und in enger Abstimmung zwischen den zehn Ensemblemusiker:innen dargeboten wurde, wandte sich das Pforte Kammerorchester Plus zusammen mit Matthias Schorn Mozarts Klarinettenkonzert
zu. Er ist Mitglied der Wiener Philharmoniker und blickt als international gefeierter Musiker weit über die klassischen Genregrenzen hinaus. Überdies engagiert er sich für gesellschaftlich
relevante, künstlerisch aufbereitete Themenfelder, wie sie von Klaus Christa in den Pforte-Programmen initiiert werden.
Souveräner Solist
Matthias Schorn agierte als musikalischer Leiter, vom Konzertmeisterpult aus unterstützt von Raul Campos, und als Solist. Seine Interpretation des vielgespielten Klarinettenkonzerts zog die
Zuhörer:innen und die Orchestermitglieder gleichermaßen in den Bann. Mit höchster Aufmerksamkeit und Präsenz folgten die Musiker:innen dem souveränen Solisten, unterstützten die melodischen
Linien und reagierten als sensible Partner:innen mit einem ausgeprägten dynamischen Gespür. Der Dialog zwischen dem Solisten und dem Orchester ließ die Emotionen des Werkes voll zur Geltung
kommen und setzte zahlreiche mitreißende
Höhepunkte.
Wichtige Themen
In der zweiten Konzerthälfte ehrte das Pforte Kammerorchester Plus Miriam Makeba. Alle ihre Songs tragen eine politische und soziale Botschaft. Sie sind Zeugnisse des Widerstands gegen die
Apartheid sowie Ausdruck der eigenen und kollektiven Identität der Black People in Südafrika. Wie Klaus Christa eingangs erwähnte, war auch das Pforte-Konzert von politischen Umständen
beeinträchtigt. Eigentlich hätte es eine Wiederbegegnung mit der Bratschistin und Sängerin Mookho Rankhala geben sollen, an die sich wohl zahlreiche Pforte-Abonnent:innen erinnern. Doch die
Musikerin wartet nach ihrer Heirat in Portugal seit fast einem Jahr auf einen offiziellen Aufenthaltstitel und konnte deshalb nicht reisen.
Mitreißende Gestaltungsfreude
An ihrer Stelle sangen Kamohelo Moshoaliba und Sicelo Christopher Njapha, beide sind Mitglieder des Pforte-Kammerorchesters. Sie beeindruckten mit ihrer einfühlsamen Gesangskunst. Zur Hochform
lief Sicelo Christopher Njapha auf, er begeisterte mit seiner großen Bühnenpräsenz und seinen flexiblen Registerwechseln. In einigen Songs ergänzten Martin Lindenthal sowie ein Männer-Vokaloktett
das Duo. Besondere Aufmerksamkeit zogen die unterschiedlichen afrikanischen Sprachen der Songs
auf sich, darunter auch die berühmten „Klicklaute“. Die für diesen Anlass gefertigten Arrangements von Ursula Reicher und Laura Winkler boten der Sängerin und den Sängern eine ausgezeichnete
orchestrale Grundlage. Musikalisch vereinten die Lieder einen
ausgeprägten tänzerischen Rhythmus, Volksmusik und Jazz. Die energiegeladene Spielweise der Orchestermusiker:innen und die jazzig phrasierten Passagen von Matthias Schorn, der die musikalischen
Verläufe auch gegen den Strich bürstete und die Musiker:innen herausforderte, machten die Darbietungen zu einem mitreißenden musikalischen Erlebnis. Anschließend wurden die Gäste ins benachbarte
Pförtnerhaus geladen, wo bei einer Afro-House-Party weiter gefeiert wurde.