N°6 LIEBE AUF DEN ERSTEN TON

JUBILÄUMSKONZERT ZUM 20. GEBURTSTAG VON MUSIK IN DER PFORTE

FR 30. NOVEMBER 2018 | 20 uhr

Jubiläumskonzert im Pförtnerhaus Feldkirch

«Zwischen den Fehlern bin ich unheimlich gut gefahren.» 

Bode Miller 

 

Dieses markante Zitat von Bode Miller kommt mir in den Sinn, wenn ich an die letzten zwei Jahrzehnte Musik in der Pforte zurückdenke – und ich bin versucht, festzustellen, dass es uns ähnlich ergangen ist wie Bode Miller: Wir haben immer wieder etwas riskiert, da war immer die Lust, neue Wege zu gehen und neue Formate zu entdecken. Und es ist uns immer wieder gelungen, «das ganze Gewicht auf den Ski zu bringen und um die Kurve zu fahren», was notwendig war, wenn sich ein neuer 

Weg als Sackgasse entpuppt hatte. 

In den schönsten und in den schwersten Momenten dieser zwei Jahrzehnte war es diese besondere Beziehung zum Pforte- Publikum, die uns beflügelte und inspirierte und uns letztendlich weitermachen ließ, wenn die Probleme gar zu groß erschienen. 

Mit einem Schmunzeln erinnere ich mich an nächtelange Besprechungen in einem kleinen Zimmer meiner damaligen Wohnung – unzählige gerauchte Zigaretten hatten sich in dichten Nebel verwandelt, während wir, Thomas Engel und ich, unsere Pläne wälzten und unsere Visionen gebaren, eingehüllt in dichten Rauch. 

Wir wollten ein Kammermusik-Abonnement auf die Beine stellen, aber eben nicht nur FÜR ein Publikum sondern MIT einem Publikum. Zu unbefriedigend erlebten wir unsere Konzerte bis dahin: Der letzte Ton verklingt, Applaus folgt und dann geht es einsam in die Nacht. Wir waren der Überzeugung, dass aus dem Miteinander von Komponist_innen, Interpret_innen und Zuhörer_innen etwas Neues entsteht, das eben nur in genau diesem Miteinander möglich war und ist. Was uns auch störte, war die Hierarchie zwischen Musiker_innen und Hörer_innen – wir wollten das, was wir liebten und lieben, mit Menschen teilen und uns nicht «vor dem Publikum produzieren» – das klingt schaurig, oder? 

Wir wollten einen wirklichen Kontakt mit unseren Hörer_innen aufbauen, wir wollten mit ihnen ins Gespräch kommen und uns darüber austauschen, was wir gemeinsam mit unserem Publikum erlebt hatten. Die Tatsache, dass ein «ghöriger» Vorarlberger nach einem Konzert meistens gleich nach Hause geht, ermutigte uns auch dazu, möglichst viele Hörer dazu zu verführen, den Abend feierlich ausklingen zu lassen. 

Und wir waren immer der Überzeugung, dass der Weg, den Kosmos der Kammermusik einem großen Publikum zu vermitteln, nicht über Anbiederung führt, wir waren der Meinung, dass so etwas Komplexes wie die menschliche Seele einer komplexen Musik bedarf, um mit sich zurechtzukommen. In einer Zeit, wo es oft darum geht, alles so einfach wie möglich zu sagen, wollten wir die Botschaft senden: Wenn etwas so komplex ist, wie die menschliche Seele, dann kann man es eben nur komplex ausdrücken! Punkt. 

Nie vergesse ich den Moment, als Sofia Gubaidulina sorgenvoll zu mir sagte: «Ein Festival nur mit meiner Musik, das geht doch nicht, die Leute werden dich schimpfen». Das PFORTE-Publikum entkräftete ihre Befürchtungen mit vier ausverkauften Konzerten – Sofia Gubaidulina teilte mit mir auch noch einen anderen Gedanken, der für mich auch eine wunderbare Erklärung bot, warum unsere Konzerte immer wieder so beglückend gelangen: «Das Publikum erschafft das Konzert mit uns gemeinsam», meinte sie, «wie sie lauschen, das beeinflusst das Konzert ebenso». 

Als wir am 29. März 1999 zum ersten Mal die Pforten öffneten, waren wir erfreut und überrascht von dem überwältigenden Publikumsinteresse. Lebhaft erinnere ich mich an den völlig überfüllten Saal und an das letzte Stück dieses Konzerts, das Streichquartett in a-Moll von Franz Schubert. Ich erinnere mich an diese lauschende Spannung, die von unserem Publikum ausging. 

Wir möchten im offiziellen Geburtstagskonzert zu unseren Wurzeln zurückkehren und uns an dieses allererste Pforte-Konzert erinnern. Den offiziellen Teil dieses Jubiläumskonzertes beschließen wir mit jenen Werken, mit denen wir das letzte Konzert der ersten Saison «Tafelmusik und Kehraus» beschlossen haben – mit Walzern von Joseph Lanner und Johann Strauss Vater. 

Klaus Christa

 

  

Franz Schubert (1797–1828) Streichquartett D.804 a-Moll

 

Ludwig van Beethoven (1770–1827) Streichtrio op. 9/3 c-Moll


 

AntonÍn Dvořák (1841–1904) Streichsextett op. 48 A-Dur 

 

Joseph Lanner (1801–1843) «Die Mozartisten» Walzer op. 196 u. a. 

 

 

Christel Lee und Suyoen Kim Violine

Klaus Christa und Julia Rebekka Adler Viola

Mathias Johansen und Conradin Brotbek Violoncello

 

 

 

Karten: Tourismusbüro Feldkirch, Montfortplatz 1, 6800 Feldkirch

T +43 5522 73467, karten@feldkirch.atwww.v-ticket.at und an der Abendkasse