Dieses ist ein Stich Paul Seels in den Sonaten von 1681: Selbstbewusst, scharfe Gesichtszüge, auffällige Nase, Durchsetzungsvermögen, lässt sich die Butter nicht vom Brot nehmen, Fantasie in den Augen, Stolz und wir wollen beide

nicht mit ihm verheiratet sein (das ist ja kein Problem).

 

Du hast eine sehr schöne CD mit österreichischer Violinmusik aufgenommen. Findest Du in der österreichischen Violinmusik dieser Zeit etwas «österreichisches» und wie kann man das beschreiben?

 

Wenn ich die Musik lese und spiele, spüre ich Fantasie, Experimentierfreude und Virtuosität. Ich höre die Nähe zur Volksmusik und entnehme den Werken, dass er aus einem religiösen Umfeld kommt. Die böhmische und österreichische Musik des 17. Jahrhunderts spricht mich persönlich sehr an. Es liegt vielleicht an den eingängigen Melodien, der harmonischen Griffigkeit, dem italienischen Flair. Und – nun doch etwas Boulevardzeitungmäßiges: Die Familie meines Vaters stammt aus einer Region, die nur etwas mehr als eine Stunde von Bibers Heimat entfernt ist. Kann diese Tatsache auslösen, dass ich mich in der böhmischen Musik immer gleich etwas zuhause fühle? Die Melodien, auch bei Heinrich Schmelzers Kompositionen, kommen mir oft so vertraut vor. Aber auch dies ist reine Spekulation über Möglichkeiten und Unmöglichkeiten.

 

H. I. F. Biber hat in meiner Wahrnehmung viel experimentiert, ich finde die Skordaturen* ja sehr extrem bei den Rosenkranz- Sonaten, Deine Meinung dazu?

 

Sowohl in meinem Violino-Projekt mit anonymen Violinsonaten aus dem Manuskript Klagenfurt als auch in den Mysteriensonaten Bibers finden wir viele «Verstimmungen» der Violine. Es braucht Zeit und Kontemplation, sich damit anzufreunden. Dann aber ist es eine phantastische Immer-wieder-Neuentdeckung des Instruments, das ja durch die verschiedenen Stimmungen andere Möglichkeiten und jedes Mal auch einen anderen Klang bekommt. Wie eine Person, der man im anderen Raum in einer anderen Stimmung immer wieder neu begegnen darf, wenn man sich darauf einlassen kann.

 

 

* von der Norm abweichende Stimmung des Saiteninstrumentes

 

 

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