War es großes satztechnisches Können? Oder der Einfallsreichtum ihres Werkes? Die Tiefe der Empfindung in diesem Werk oder eine gewisse Kühnheit? In einer ausschließlich von Männern dominierten Musiklandschaft, bedeuteten die Rollenzuschreibungen der Geschlechter ein unüberwindbares Stigma: Wenn eine Frau hervorragend komponierte, dann führte das im besten Fall dazu, dass ihr Werk eben «nicht gerade einen weiblichen Komponisten vermuten» ließ.

 

Umso erstaunlicher ist es, dass es Künstlerinnen wie Johanna Müller-Hermann, Maria Bach, Vilma Webenau und Frida Kern gelang, sich als Komponistinnen zu etablieren. Am Beispiel Vilma Webenaus können wir einen Zug erkennen, der vielen Komponistinnen eigen war und ihre Karrieren sicher nicht beschleunigte: große Bescheidenheit. Wer die Musik von Vilma Webenau hört, kann schwer nachvollziehen, dass die damals 49-jährige Musikerin sich in ihrem Beitrag für einen Album zu Ehren ihres Lehrers Arnold Schönbergs als «sehr unbedeutende Komponistin und Musiklehrerin» wahrnahm. Sie war die erste Schülerin Schönbergs und gehörte mit Alban Berg und Anton von Webern zu seinem engen Kreis. Vilma Webenau und Maria Bach waren Mitglieder des «Club der Wiener Musikerinnen», einer Vereinigung, die sich für ein gleichberechtigtes, wertschätzendes Miteinander von Männern und Frauen in der Musik einsetzten.

 

Um noch einmal auf die Kritik Richard Spechts Bezug zu nehmen: Wenn sich die Wertschätzung für das Schaffen einer Komponistin darin manifestierte, dass ihre Musik «nicht gerade einen weiblichen Komponisten vermuten ließen», wie sollte eine Frau eine selbstbewusste Identität als Komponistin entwickeln? Dazu ein Blick auf ein anderes biographisches Detail jener Tage: Johanna Müller-Hermanns Karriere als Musikerin und Komponistin konnte erst beginnen, als sie Otto Müller-Martini heiratete und dank der Unterstützung und Ermutigung ihres Mannes ihre musikalische Ausbildung beginnen konnte. Da war sie bereits 24 und hatte schon mehrere Jahre als Volksschullehrerin gearbeitet. 1917 folgte sie ihrem renommierten Lehrer B. Foerster als Professorin am Wiener Konservatorium nach und unterrichtete dort bis 1932.

 

Die Wiederentdeckung Maria Bachs bei unserem Festival «Frauengeschichten» war eine kleine Sensation. Ihr Wolgaquintett ist ohne Zweifel ein Meisterwerk, was vom Pforte-Publikum an jenem Abend gebührend gefeiert wurde. Groß ist die Vorfreude auf den Abend im Oktober 2019, an dem wir große, mutige Frauen ins Rampenlicht rücken und so die Musikgeschichte Wiens um die Jahrhundertwende um eine wichtige, vergessene Facette bereichern werden.

 

 

Klaus Christa

 

 

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