Konzert N°6: Claudio Monteverdi

Die Entdeckung der Leidenschaft

  

 

 

Pforte um 7  | Do 21. November, 19 Uhr

Pforte um 8  |  Fr 22. November, 20 Uhr 

Pförtnerhaus Feldkirch

 

 

Claudio Monteverdi (1567–1643):

«Il combattimento di Tancredi e Clorinda» (1638) 

Auszüge aus «L’Orfeo» (1607), «L’Arianna» (1607), 

«Il ritorno d’Ulisse in patria» (1640) und 

«L’incoronazione di Poppea» (1643)

 

 

Ingeborg Dalheim Sopran

Jan van Elsacker Tenor

Bernd Oliver Fröhlich Tenor

 

Los Impossibiles

Anaïs Chen Violine

Sonoko Asabuki Violine & Viola

Julia Beller-Boysen Viola

Thor Harald Johnsen Laute & Gitarre

Johannes Hämmerle Cembalo & Orgel

Christian Zincke Violone

Thomas Boysen Theorbe, Gitarre & Musikalische Leitung 

 

Die Entdeckung der Leidenschaft

Als Claudio Monteverdi 1638 im Alter von 71 Jahren sein achtes und letztes Madrigalbuch veröffentlicht, kann er auf ein langes Leben als Musiker und Komponist zurückblicken.

Der Apothekersohn kommt 1567 in Cremona zur Welt, wo er später auch beim Domkapellmeister Marco Ingegneri Komposition und Kontrapunkt studiert und Unterricht auf der Geige erhält. 1590 nimmt Monteverdi eine Anstellung als Gambist in Mantua an und ist bald nicht mehr nur als Musiker sondern auch als Komponist und Ensembleleiter gefragt. Seine Kompositionen sind sehr geschätzt, sorgen aber gleichzeitig auch bei manchem Kollegen für große Empörung.Zu jener Zeit wurde alles in einem mathematischen Zusammenhang gesehen, so auch die Musiktheorie. Die Astronomie unterlag beispielsweise den gleichen mathematischen Regeln und Systemen wie der Tonsatz. Monteverdi wird vorgeworfen,

die Ordnung des Universums durch das Missachten der bestehenden Praxis zu zerstören. Er widersetzt sich den Vorwürfen

und argumentiert, dass er die «Seconda Prattica»* etablieren möchte. Es ist ihm wichtig, dass das Neue das Alte ergänzt und nicht ersetzt.

 

1595 findet eine seiner zwei Auslandsreisen, während er in Mantua tätig ist, statt. Monteverdi begleitet seinen Arbeitgeber Herzog Vincenzo I. Gonzaga, der einem Aufruf von Kaiser Rudolf II. folgt. Er sollte die Türken, die kurz vor Wien stehen, abwehren. Da der Herzog eine Reise dieses Ausmaßes nicht ohne musikalische Unterhaltung antreten will, übernimmt Monteverdi die Aufgabe des Kapellmeisters. Wenige Jahre später führt ihn seine zweite Reise nach Flandern.

 

In einer Zeit, in der die meisten Musiker_innen ständig auf Wanderschaft sind, mutet es vielleicht eigenartig an, dass Monteverdi nicht mehr von der Welt sieht. Aber mit seiner Anstellung als Kapellmeister am Markusdom in Venedig befindet er sich ab 1614 in einer der wichtigsten musikalischen Metropolen der Welt. Monteverdi sitzt sozusagen an der Quelle und wird im Laufe der Zeit selbst zur Quelle. Musiker aus ganz Europa reisen nach Venedig, um dort die neusten musikalischen Richtungen zu studieren. Monteverdi regt diese Entwicklungen an, «die Welt» kommt zu ihm.

 

Als betagter Mann und musikalischer Superstar hätte er sicherlich die finanzielle Freiheit gehabt, sich zurückzuziehen und in Pension zu gehen. Er aber arbeitet weiter. Nachdem sein achtes Madrigalbuch mit «Madrigali, guerri et amorosi» veröffentlicht ist, komponiert er seine letzten zwei großen Werke: die Opern «Il ritorno d’Ulysse in Partia» und «L’incorazione di Poppea» für Venedigs erstes Opernhaus «San Cassiano». Am 29. November 1643 stirbt er und wird in S. Maria Gloriosa di Frari beigesetzt.

 

Mein erster Kontakt mit Monteverdis Musik als junger Student war eine Werbe-CD eines Plattenverlags, auf der der Eröffnungschor der Marienvesper zu hören war. Er hat mich vollkommen ergriffen und war sicherlich einer der Gründe, warum ich mich damals entschieden habe, mein Leben als Lautenist zu verbringen. Wie konnte so alte Musik so modern und lebendig klingen? Dies ist für mich die Essenz seiner Musik: Sie klingt nach 400 Jahren genauso modern wie sie damals geklungen haben mag. Sie spricht uns als fühlende Menschen an, weil Monteverdi es beherrschte, Leidenschaft durch Musik hörbar zu machen.

 

* Kompositionsform, die der Textverständlichkeit den Vorrang gibt.

 

Thomas C. Boysen

 

Claudio Monteverdi | Islam, 10 Jahre
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