Konzert N°6

Verlieren und Gewinnen

Weltberühmtes Streichquartett sucht ...

 

 

Pforte um 7  |  Die öffentliche Generalprobe

Do 17. November, 19 Uhr, Pförtnerhaus Feldkirch

 

Impuls um halb  |  18.30 Uhr, Erdgeschoss Pförtnerhaus

Wie (über)lebt man im Musikbusiness? Danusha Waskiewicz, u. a. ehem. Solobratschistin der Berliner Philharmoniker, gewährt uns im Impuls um halb Einblick in ihren Musikerinnenalltag.

 

Pforte um 8  |  Konzert & Buffet

Fr 18. November, 20 Uhr, Pförtnerhaus Feldkirch

 

Impuls um halb  |  19.30 Uhr, Erdgeschoss Pförtnerhaus

Wie (über)lebt man im Musikbusiness? Danusha Waskiewicz, u. a. ehem. Solobratschistin der Berliner Philharmoniker, gewährt uns im Impuls um halb Einblick in ihren Musikerinnenalltag.


 

Programm

 

Werke von Johann Sebastian Bach (1685–1750), P. D. Q. Bach, Max von Weinzierl (1841–1898), Krzysztof Penderecki (1933–2020) & u. a.

 

Danusha Waskiewicz Viola
Klaus Christa Viola

Guy Speyers Viola
& Studierende der Violaklasse von Klaus Christa am Vorarlberger Landeskonservatorium

 


Witz oder kein Witz?

 

Es ist kaum zu glauben und doch ist es so: Über die Bratsche, das Instrument, das keine Geringeren als Bach, Mozart, Beethoven und Schubert geliebt und ge- spielt haben, wurden und werden immer noch zahllose despektierliche Witze gemacht. Für uns ist der Zeit- punkt gekommen, unser Schicksal als Bratschist*innen mit einem humorvollen, melancholisch zwinkernden Konzerttheater selbst in die Hand zu nehmen und das Witzemachen nicht mehr jenen zu überlassen, denen die Liebe und das Verständnis für dieses herrliche Instrument fehlt. Gleichzeitig stellen wir uns mutig allen Klischees entgegen, die diesen Witzen zugrunde liegen, um sie musikalisch und theatralisch auf ihren Wahrheits- gehalt zu überprüfen. Da interessiert uns zum Beispiel die Frage: Sind Bratscher*innen wirklich langsam? Oder nur manchmal versunken in einen melancholischen Traum? Und was haben sie sonst noch für Eigenschaften, diese träumerischen Seelen, denen das wehmütige Klagen der Bratsche ein Lächeln ins Gesicht zaubert? Fragen über Fragen! Manche davon werden wir an diesem Abend beantworten und ganz sicher werden wir an diesem Abend Antworten auf Fragen finden, die Sie sich nie gestellt haben. Beginnen wird unsere Reise mit einer unscheinbaren Annonce, die zu den Klassikern des Bratschenwitzes gehört und die ein Körnchen Bratschenwahrheit in sich trägt: Weltberühmtes Streichquartett sucht 1. Violine, 2. Violine und Violoncello.

 

 

Das Geheimnis des Klangs

 

Während die Entwicklung der Geige eine Geschichte des Findens ist, mutet die Geschichte der Bratsche wie ein langer Weg des Suchens an. Als das Geigenmodell, so wie wir es heute kennen, erfunden war, war es be- reits vollkommen. Die Violine hat seit dem 17. Jahrhundert keine wesentlichen Veränderungen mehr erfahren. Korpusgrösse, Saitenlänge, Mensur – alles passte vom ersten Augenblick ideal zusammen.

 

Im Gegensatz dazu existierten bei den Bratschen Ins- trumente mit Korpuslängen zwischen 38.5 und 50 cm. Gaspar dal Salo, der wohl berühmteste Bratschenbauer des 16. Jahrhunderts, baute Instrumente, die sich in einem Spektrum zwischen 39 und 46 cm bewegten. Da das Instrument wie die Geige gehalten wird, waren alle Größen jenseits von 44 cm eine nahezu unlösbare Herausforderung für den menschlichen Bewegungsap- parat. Die Geigenbauer haben sich die Frage nach dem idealen Bratschenmodell seit den Anfängen über die Jahrhunderte immer wieder von Neuem gestellt. Nicht nur über die Korpuslänge, auch über die Breite und die Tiefe des Instruments und ihre Wölbungen wurde ständig nachgedacht und damit experimentiert,

aber es blieb ein Suchen. Bemerkenswert ist dabei der Umstand, dass im Gegensatz zur Violine, wo die schönsten und elegantesten Formen sich auch als die Bestklingendsten entpuppten, sich das bei den Bratschen ganz anders verhält. Der Mut zu einer gewissen Unförmig- keit hat Bratschenbauer wie Paolo Antonio Testore oder Giovanni Battista Guadagnini – beide lebten im 18. Jahrhundert – klanglich reichlich belohnt. Die Viola war seit ihrer Geburtsstunde ein Kompromiss: so groß wie nötig und so klein wie möglich.

 

Und dann war da noch die Frage nach dem Klang: Welche Stimme sollte eine Bratsche haben? Wie dunkel? Eher eine Tenor- oder doch eine Altstimme? Klar oder verhalten? Oder wie manche Geigenbauer entschieden, hell und geigenähnlich? Wann ist der Klang noch reiz- voll mysteriös und wann wird er mulmig? Auch dieser Diskurs wird heute noch leidenschaftlich geführt. Die Akzeptanz der Vielfalt ist sicher die sinnvollste Position, die wir in diesem Diskurs einnehmen können. In Anbetracht der speziellen Fragen überrascht es auch nicht, dass auf der Liste der größten Bratschenbauer andere Namen zu finden sind als auf jener der Geigen: Was Antonio Stradivari und Giuseppe Guarneri für den Geigenbau sind, sind Gaspar del Salo, Andrea Guarneri und später dann Paolo Antonio Testore und Giovanni Battista Guadagnini für die Bratsche.

 

Einer der wichtigsten Komponisten der zeitgenössischen Bratschenliteratur, György Ligeti (1923–2006), fand

im Bratschenklang eine eigenartige Herbheit, kompakt, etwas heiser, mit dem Rauchgeschmack von Holz, Erde und Gerbsäure.

 

Klaus Christa